VI UN CIELO NUEVO Y UNA TIERRA NUEVA (Ap 21, 1)
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Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde... (Offb 21,1)

von Dr. Michaela Koller

 

Die Frage nach dem theologischen Fundament impliziert die Frage nach dem Leben und der Tätigkeit in der klinischen Seelsorge. Im Folgenden werde ich diese Frage in drei Bildern und biblischen Texten beantworten: dem Hohelied der Liebe nach Paulus, dem Dienst der Fußwaschung im Johannesevangelium und der Verheißung des neuen Himmels und der neuen Erde aus der Johannesapokalypse. Diese drei Textstellen hat eine junge Künstlerin in einer Kunstschrift zu einem Tryptichon zusammenkomponiert, das den Altar in der Kirche des Diakonie-Zentrums, in dem ich tätig bin, bildet.

Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen (Joh13,14). Füße waschen ist in der antiken Welt ein Sklavendienst, Kranke werden in dieser Welt ausgegrenzt, sie gelten als unrein. Wie ist das heute? Sicher, es steckt in unseren Breiten sehr viel Geld in der Entwicklung neuer Technologien und Therapien und doch wird es oft als sehr subtile Form der Ausgrenzung erlebt, hier die Macht Habenden, die diese Geräte verstehen und bedienen, da die Menschen, die krank sind und darauf angewiesen sind. Ist es nicht eine menschliche Geste, einander die Füße zu waschen?

Nach dem Ausgangspunkt oder dem Ort der Berufung in diesen Dienst fragend, ist es der einzelne Mensch in seinem Leiden und Sterben, in diese Situation hat es mich gezogen. Gottes Barmherzigkeit sichtbar zu machen, dort wo das Leben an eine Grenze kommt, an das Ende der menschlichen Machbarkeit. In dieser Situation der Einsamkeit und Zerrissenheit, Verständnis und Aushalten zu ermöglichen, ein Mitgehen, wo niemand mehr da ist oder da sein kann, und damit zu einem Ort der Hoffnung zu werden.

Seit 1991 bin ich im Bereich der klinischen Seelsorge tätig. Seit 1998 arbeite ich als katholische Pastoralassistentin in einem Krankenhaus des Evangelischen Diakoniewerks Gallneukirchen. Wie ich immer wieder erfahren darf, ist es in einer bedrohten Lebenssituation die Frage nach Gott, die antreibt und nicht die Frage nach einer Konfessionszugehörigkeit. Die Erfahrung von Eingebundensein in eine Gemeinde, in eine Kirche mit ihren spezifischen Traditionen ist ein unermesslicher Schatz, gibt Halt und mitunter Geborgenheit. Doch die Zahl der Menschen mit einem kirchlichen Hintergrund nimmt ab, hingegen nimmt die Zahl der Menschen, die ohne kirchliche Beheimatung nach Gott fragen, nicht ab, manchmal habe ich sogar den Eindruck, dass diese Fragen immer lauter an mein Ohr dringen.

Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe. (1Kor 13,13)

Für jetzt, in diese Situation hinein, mitten in diese Welt, die scheinbar nichts mit frommen Gedanken zu tun hat, Glaube, Hoffnung und Liebe bleiben, sie gehen nicht verloren, nicht im Schmerz, nicht in der Verzweiflung, sie sind da, auch dort, wo sie abwesend scheinen und nicht erfahrbar sind. Im Kleinen, Unscheinbaren, leuchtet die Spur Gottes mitunter auf.

Ich stehe für Begleitung, Krisenintervention, Gespräche zur Verfügung. Dies geschieht aus einer theologischen, seelsorglichen Perspektive heraus. Im Laufe der Jahre lerne ich die Lebens- und Familiengeschichte von Menschen kennen, die immer wieder z.B. zu einer Chemotherapie ins Haus kommen. Auch wenn die einzelnen Aufenthalte sehr kurz sind, handelt es sich doch um eine jahrelange Begleitung und Beziehung. Aus diesem Kontakt mit den Menschen, den Familien erwächst eine weitere Dimension der Aufgabe: mit den Menschen feiern, das Leben feiern, Gott feiern. Was hat ein Mensch zu feiern, der todkrank ist? Einen Geburtstag vielleicht, oder ein Ehejubiläum, Versöhnung, wieder einmal eine schmerzfreie Nacht, Abschied nach 60 Ehejahren und vieles mehr. In Situationen, in denen das Leben dicht wird, entsteht das Bedürfnis nach Ausdruck, nach Gesten, Symbolen, Worten, Gebeten. Oft leihe ich den Menschen Sprache oder ich bin ihnen behilflich, zu ihren Worten zu kommen. Auch wenn ich als „Laiin“ diesen Dienst tue, handelt es sich um Gottesdienste, auch wenn der Kreis derer, die mitfeiern, aus der Putzfrau und dem Patienten besteht. Die Würde erhält eine solche Feier schlicht durch die Anrufung des Namens Gottes und aus dem Glauben, der Hoffnung und der Liebe, die ausgedrückt werden.
Neben solchen eher privaten Feierlichkeiten gilt es jedoch auch offizielle Andachten, Wortgottesdienste, Ökumenische Gottesdienste zu halten, Eucharistiefeiern zu gestalten, entsprechend dem Kirchenjahr.

Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde. Er wird in ihrer Mitte wohnen. Gott wird bei ihnen sein. Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen. (Vgl. Offb 21,1.3)
Wenn Krankenhausseelsorge bedeutet, dass sie als weiteres Beruhigungsmittel verordnet wird, würde es sich um ein großes Missverständnis handeln. Wie kann ich einem solchen Missverständnis entgegenwirken? Es heißt: Gott wird in ihrer Mitte wohnen. Die Schechina Adonai, die Einwohnung Gottes, ist seit alters her Ausdruck für die unmittelbare Gegenwart Gottes unter den Menschen. Was von außen vielleicht wie ein letzter Versuch eines Auswegs aus dem Schicksal aussieht, ist mit den Augen des Glaubens betrachtet eine Annäherung an die Wirklichkeit Gottes. Sprache wird brüchig in solchen Erfahrungen, Bilder werden zu Krücken und Brücken der Hoffnung auf einen „neuen Himmel und eine neue Erde.“ (Off 21,1)

 

 

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(Tomado de la revista vocacional alemana Weg Bereiter )